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Glossen und Satire von Ulli Hohmann

Glosse
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Es lebe der kleine Unterschied

 

 

 

Georg, ein alter Freund und Kollege kündigte mir urplötzlich nach vielen Jahren einen Besuch an. Es war weniger die Person die sich in meinem Gehirn über Jahre hinweg einprägte, als die Tatsache, dass es so ziemlich keinen Fresstempel in Deutschland gab, den er nicht kannte und beurteilt hatte. Eine durchaus genüssliche Freundschaft. Aber noch was war mir in der Erinnerung geblieben. Georg war auch ein großer Liebhaber von echtem Cognac.

Das machte ich mir zu Nutze, um nach so vielen Jahren Eindruck bei ihm zu schinden. Ein guter Cognac musste her. Nur welcher? Ich, als absoluter Fachidiot in solchen Sachen, begab mich in ein „Spirituosen-Fachgeschäft", also einen Schnapsladen.
„Ich möchte den feinsten Cognac, den ihr Haus zu bieten hat, enthüllte ich dem Verkäufer.
„Oh, selbstverständlich gern, einen V.S.O.P. vermute ich, vielleicht einen Kardinal Richelieu?", riet mir der Verkäufer. Mit zielsicherem Griff reichte er mir mit einem „Voilá Madam" eine Flasche dieser Tiefgangsmarke mit der Bemerkung: „Ein Cognac, weich, extravagant und betörend. Nur etwas für Kenner."
„Ja, das dürfte wohl das Richtige sein", äußerte ich mich selbstbewusst. Bloß nicht erkennen lassen, dass ich eine absolute Nulpe auf diesem Gebiet war. Im Innersten fragte ich mich, ob es nicht auch ein Hennessy oder ein Martell getan hätte.

Zu Hause angekommen traf ich meinen netten Nachbarn im Garten. Nachdem ich die Sachlage erklärt hatte, präsentierte ich ihm stolz die Pulle und fragte, ob ich denn da etwas vernünftiges eingekauft hätte.
„Oh, auf jeden Fall, ein edles Tröpfchen, da können sie überhaupt nichts falsch machen", grinste er mich an.
„Schmeckt denn echter französischer Cognac nicht immer etwas seifig?", fragte ich ihn unverblümt.
„Das ist eine Sache des Geschmacks", äußerte er sich liebenswürdig aber wohl bemerkend, das ich keine Ahnung hatte.
„Na los", sagte ich froh gestimmt, "dann öffnen wir die Flasche einfach mal". Jetzt wollte ich wissen, wofür ich das teure Geld verschwendet hatte.
Er öffnete die Flasche vorsichtig, als hand'le es sich um einen wertvollen Schatz. Mit vorsichtigen Bewegungen goss er ein. Ein Ritual begann zwischen uns. Schwenken - betrachten – schwenken – schnuppern – betrachten – trinken.
„Und, wie ist er?", fragte er mich genießerisch.
Das teure Nass rannte meine Kehle hinunter. "Komisch. Irgendwie lasch. Seifig. Fad. Den spür ich gar nicht", meinte ich gelangweilt.
Ungläubig schaute mich mein Nachbar an und belehrte mich mit großer Gestik. "Sie müssen sich etwas Zeit geben nach dem ersten Schluck. Erst einmal auf der Zunge warm werden lassen."
„Okay, probieren wir's noch mal." Wir tranken. Nach dem dritten oder vierten Glas empfand ich zwar keinen seifigen Geschmack mehr, aber, ohne etwas im Magen zu haben, einen duseligen Kopf.
„Wissen Sie was V.S.O.P. heißt?", fragte mich der Nachbar.
„Very secret ordinärer Panschweinbrand", lallte ich ihm lachend entgegen. „Wie bitte?" fragte er mich erstaunt und berichtigte mich lehrerhaft, „Very special old pale".
„Na und, was heißt das nun?", fragte ich ihn nicht mehr ganz Herr meiner Sinne.
Ein schier nicht enden wollender Lobgesang über das Gütesiegel „vau-es-op", verwirrte meine angetüddelten Gehirnsubstanzen total.
So ergab es sich, dass sich ein weiterer Nachbar zu uns gesellte. „Na, auch mal einen Schluck probieren?", fragte ich ihn unverblümt. Und er probierte den edlen Tropfen mit der Bemerkung: „Voll gut das Zeug. Mild. Würzig. Sanft im Abgang. Kann ich noch einen haben?" Er bekam. Mehrmals.
Mittlerweile war die Flasche weit über die Hälfte geleert. Und es war abzusehen, dass wir wohl den Rest auch noch vertilgen würden. So war's dann auch.
Erst am nächsten Morgen wurde mir klar: nix mehr da, alles weg. Was tun? In circa zwei
Stunden wollte mich doch der Georggourmet abholen. Kurzerhand schüttete ich den Rest meines mindestens drei Jahre alten „Asbach uralt" in die vornehme Richelieu-Flasche und harrte der Dinge, die da kommen sollten.

Fakt war: Mein Freund Georg studierte die Flasche und das Etikett eingehend. Er schien zufrieden. Ich rückte das Tablett mit zwei angewärmten Cognacschwenkern in's rechte Licht

und schenkte ein.
„Hmmmm .... Das Beste! .... Richelieu .... Wow! .... hmmm!!, schwärmte er und verdrehte genüsslich seine Augen. Wir prosteten uns zu und tranken.
„Bist du ganz sicher, dass das ein echter Richelieu ist?", fragte ich ihn verschmitzt.
Seine Antwort war verblüffend: „Dieser Richelieu ist echt. Absolut echt. So echt wie ich".
Klar?
Klar, Georg!!
Klar ist auch - nun klappt's auch mit den Nachbarn!
 

 

 

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